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Im Handumdrehen

Leben retten im Handumdrehen: Dazu hat die Klasse 7a des König-Wilhelm-Gymnasiums Höxter im Jubiläumsjahr ihrer Schule hunderte Bürgerinnen und Bürger mobilisiert. Sie alle haben Plastikdeckel von Getränkeflaschen abgeschraubt und damit den Kampf gegen die Kinderlähmung (Polio) unterstützt.

Eltern, Großeltern, Freunde, Bekannte, aber auch Unbeteiligte: Die im Februar gestartete Initiative der Klasse hat ungeahnt breite Kreise gezogen. Das Ergebnis dieser konzertierten Sammelaktion kann sich sehen lassen: »Wir haben 17 Säcke mit Deckeln abgegeben. Jeder wiegt etwa 20 Kilogramm. Das sind zirka 170 000 Deckel«, beziffert Klassenlehrerin Sarah Kohnert das Resultat.

Mit diesen Deckeln lassen sich mehr als 300 Impfungen gegen Polio finanzieren. »So viele Leben konnten wir schon retten«, freuen sich die Schülerinnen und Schüler.

In der Schule warten jetzt noch mehr als fünf weitere große Säcke mit Deckeln darauf, verwertet zu werden. Beim Schulfest zum KWG-Jubiläum am Samstag, 8. Juli, können die Bürgerinnen und Bürger in der Zeit von 14 bis 18 Uhr ebenfalls gesammelte Plastikverschlüsse abgeben. Dazu ermutigen die Kinder und ihre Klassenlehrerin die Festbesucher ausdrücklich. Denn: »Jeder Deckel hilft.« Er muss aber aus Kunststoff sein. Metalldeckel oder Kronkorken können nicht verwertet werden.

Das Erfolgs-Projekt geht in diesen Tagen in die letzte Runde. Vor den Sommerferien beenden die Schülerinnen und Schüler ihre Deckel-Aktion. Bis dahin holen sie auch die in Geschäften stationierten Sammelboxen ab. Die beiden Rewe-Märkte in Höxter, das St.-Ansgar-Krankenhaus, mehrere Innenstadt-Geschäfte, das VHS-Gebäude, ein Hotel, der Reitstall an der Weser, das WESTFALEN-BLATT in der Westerbachstraße: An vielen Stellen haben die Siebtklässler selbst gestaltete Sammelkisten postiert. Auf Plakaten wurde jeweils erläutert, was es mit der Offensive auf sich hat.

Konkret geht es um den Kampf gegen Polio. In Nigeria, Pakistan und Afghanistan ist diese unheilbare Infektionskrankheit noch nicht ausgerottet. Das einzige, was hilft, sind Impfungen. Um sie zu finanzieren, hat sich 2014 in Nürnberg der Verein »Deckel drauf« gegründet. Er sammelt Plastikverschlüsse, verkauft diese an Recycling-Betriebe und unterstützt mit dem Erlös die Rotary-Kampagne zur Ausrottung der Kinderlähmung.

In diese Offensive ist die Schulklasse im Februar eingestiegen. 500 Deckel reichen zur Finanzierung einer Schluckimpfung. Das erscheint auf den ersten Blick viel. Diese Zahl kommt aber schnell zusammen. Getränkeflaschen, Tetrapacks für Saft oder Milch - überall im Haushalt warten Plastikverschlüsse darauf, abgeschraubt zu werden. Die im KWG gesammelten Deckel gehen zu einem Recyclinghof nach Holzminden. Dort hat der Verein »Deckel drauf« eine Abgabestelle eingerichtet.

Der Verein kann auf großartige Erfolge verweisen. Seit dem Start der Aktion im August 2014 seien gut 76 786 000 Deckel verwertet worden, berichtet der Vorstand. »Aus dem Erlös der Verwertung konnten mehr als 153 572 Schluckimpfungen finanziert werden.« Aufgrund des Versprechens der »Bill & Melinda Gates Stiftung«, jeden gesammelten Betrag zu Gunsten der Kampagne »EndPolioNow« zu verdreifachen, seien es sogar mehr als 460 716 Schluckimpfungen.

Dass sie zu diesem großartigen Erfolg beitragen konnten, erfüllt die Schülerinnen und Schüler der 7a mit Freude: »Es hat sich gut angefühlt, mit den Deckeln Kindern helfen zu können«, sagt Anne Hartenstein. »Uns hat beeindruckt, was man auch in einer kleinen Stadt wie Höxter erreichen kann«, bekräftigt Sofia Koulouris. Lehrerin Sarah Kohnert spricht ihren Schülerinnen und Schüler ein dickes Lob aus: »Sie haben sich selbst um alles gekümmert.« Dazu gehörte das Gestalten und Verteilen der Sammelboxen. Die von Mitschülern in ihrer Klasse abgegeben Deckel haben die Siebtklässler in Eigenregie angenommen und in den Vorratsraum gebracht. Eine rundum gelungene Aktion also, die zum Endspurt vielleicht noch ein paar hundert Deckel einbringt. Infos: www.deckel-gegen-polio.de

Text und Foto aus dem Westfalenblatt vom 05.07.2017