Das ewige Thema Liebe

Märchengesellschaft und KWG Höxter: Kunstausstellung im Rathaus

Höxter(rob). Höxters märchenhafte Woche mit Märchensonntag ist bereichert worden durch die Eröffnung der Kunstausstellung »Liebe im Märchen – und heute?« Die Werkschau der KWG-Schüler wird bis zum 22. Oktober im Rathaus zu sehen sein.

»Liebe« ist das Thema schlechthin, nicht nur im Märchen, aber erst recht da. Kaum ein Märchen kommt ohne das Ringen um und die Suche nach dem geliebten Partner aus; wenn auch noch so viele Hindernisse zu überwinden sind, so finden sich allermeist die »Richtigen«, die füreinander Bestimmten – so kann auch der Arme »König« werden im Reich des Herzens der Geliebten. Romantisch scheint solche Darstellung, doch zeugt es von tiefer Lebenserfahrung, dass Märchen das Böse nicht nur als Kraft von außen, sondern auch im Inneren des (lieben wollenden) Menschen als Widersacher wahrer Liebe ins Bild setzt.

Die Klassen 5 bis 11 des König-Wilhelm-Gymnasiums widmen sich, angeregt von ihrer Kunstlehrerin Elisabeth Brilon, mit unterschiedlichen Techniken höchst kreativ und eigenwillig diesem existenziellen Thema, das für jede Altersgruppe aktuell ist. Tag-und Nachtseiten, Abenteuerlust und Sehnsucht, Höhen und Tiefen der Liebe zwischen Prinzessinnen und Königen, armen Schluckern und arroganten Damen, aber auch Eifersucht, Bosheit und Tücke und List der neidischen Umwelt werden mal poetisch-harmonisch, mal satirisch-spritzig gestaltet-allesamt ein Zeugnis der Vielfalt und Macht der Liebe – und ein vielschichtiges Kunstvergnügen.

Gunda Mayer, Vorsitzende der Märchengesellschaft, trug nach einem Märchen-Theaterstück von Schülern des Gymnasiums einige grundsätzliche Gedanken zum Thema »Märchen« im Rathaus vor. »Was sollen junge Menschen von heute, versierte Nutzer der digitalen Systeme, mit Märchen anfangen, diesen alten Geschichten aus vortechnischer Zeit, in den Köpfen vieler noch heute Kindergeschichten? Nun, sowohl Literaturwissenschaft, Soziologie, Pädagogik und vor allem Psychologie haben im 20. Jahrhundert darüber gestritten und inzwischen längst geklärt, dass Kinder Märchen brauchen, weil Märchen Ermutigungsgeschichten sind.« Da zögen junge, unbedarfte Menschen aus, um einem Mangel, einer Gefahr zu entgehen (Hänsel und Gretel sowie Schneewittchen). Und erlangten durch vielfache Gefahren und Prüfungen hindurch schließlich eine Stärke und Reife, die sie zu Königen oder Königinnen werden lasse. »Und wenn sie nicht gestorben sind« – Diese Gewissheit der Rettung, des guten Endes, der Reifung und Erfüllung, begleite laut Gunda Mayer Leser wie Hörer von Anfang an. »Wer auch nur ein Märchen kennengelernt hat, erkennt sozusagen intuitiv dieses Schema wieder. Das gilt auch für die 18 Märchen, die hier in der Ausstellung vertreten sind – eine stattliche Anzahl.«

 

Text & Fotos aus dem Westfalen-Blatt vom 18.10.2018